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Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag: StadtGemeinde fördert Ansiedelung mit 4-Punkte-Paket

Copyright StadtGemeinde Mistelbach (v.l.n.r.): Gemeinderat Philipp Markovics, Bürgermeister Erich Stubenvoll, Gesundheitsstadträtin Roswitha Janka und Finanzstadtrat Leo Holy präsentierten das neue Fördermodell zur Ansiedelung von Allgemeinmedizinern

26. November 2020

Die Anzahl der Ärzte in grundversorgenden Fächern, vor allem die der Hausärzte, geht weiter zurück. Und dieser Trend wird voraussichtlich anhalten, ergeben aktuelle Studien rund um die gewählte Fachrichtung von Medizinstudierenden. Die StadtGemeinde Mistelbach will diesem negativen Trend nun mit einer Förderung für die Ansiedlung von Allgemeinmedizinern mit Kassenvertrag entgegenwirken. Denn auch in der Bezirkshauptstadt ist der Bedarf nach zusätzlichen Hausärzten, bedingt durch die Übersiedlung von Dr. Oskar Kienast nach Hausbrunn, gegeben.

Was ist konkret geplant?
„Wir haben uns etwas überlegt, wie man als Gemeinde attraktiv genug ist, um Ärzte anzusiedeln“, erklärte Bürgermeister Erich Stubenvoll anlässlich einer Pressekonferenz zu diesem Thema. Nämlich mit einem 4-Punkte-Paket, das mehrere Leistungen umfasst. Dieses beinhaltet eine Barsubvention in Höhe von bis zu 50.000 Euro für die Errichtung bzw. Einrichtung einer Ordination, die Subvention sämtlicher Kommunalabgaben wie z.B. der Wasser- und Kanalgebühren für die Dauer von insgesamt fünf Jahren, ein Beratungs- und Dienstleistungspaket mit einer Obergrenze von 5.000 Euro, mittels dessen Allgemeinmedizinern mit Know-How unter die Arme gegriffen werden soll (z.B. bei Fragen der Steuerberatung, der Planung, IT-technischen Angelegenheiten und vielem mehr) sowie nicht zuletzt Unterstützung beim Finden einer barrierefreien Immobilie, wenn sich ein Mediziner dazu entschließt, eine freie Kassenstelle zu nehmen.

„Wir haben dieses Fördermodell bereits im Vorfeld im Rahmen einer interfraktionellen Runde ausführlich besprochen und über die Parteigrenzen hinweg eine Einigung erzielt“, freut sich das Stadtoberhaupt. Offiziell beschlossen wurde die Förderung schließlich in der jüngsten Sitzung des Mistelbacher Gemeinderates am Montag, dem 19. Oktober.

Primärversorgungszentrum als langfristiges Ziel:
Dieses neue Fördermodell ist aber nur ein Teil eines großen Ganzen. Denn das primäre Ziel der kommenden Jahre ist es, ein Primärversorgungszentrum in Mistelbach zu etablieren. „Wir sind der festen Meinung, dass eine solche zentrale Anlaufstelle das Modell der Zukunft ist. So braucht man als Patient nicht mehr nachdenken, welcher Arzt gerade offen hat“, erklärt der Bürgermeister und stellt klar: „Wir wollen keine Ausspielung eines privaten Arztes, sondern es muss stets miteinander gehen, wo der Patient selbst entscheidet, ob er zum langjährigen Hausarzt geht, oder eben das Primärversorgungszentrum aufsucht.“ In diesem Zentrum finden sich im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes neben Ärztinnen und Ärzten auch Assistentinnen und Assistenten, die z.B. die Abrechnung übernehmen über Krankenpflegerinnen und -pfleger, die einen Verbandswechsel vornehmen bis hin zu Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter, die ebenso unterstützend mitarbeiten. Und ein eigener Manager koordiniert das gesamte Konstrukt und kümmert sich letztlich darum, dass der gesamte Apparat funktioniert.

An der Gründung einer solchen zentralen Anlaufstelle für alle Fragen rund um die eigene Gesundheit arbeitet die StadtGemeinde Mistelbach jedenfalls schon mit Hochdruck. Hierfür fand bereits vor einigen Wochen eine Besichtigung eines erfolgreich geführten Zentrums für die Primärversorgung in Böheimkirchen statt, parallel dazu steht die StadtGemeinde Mistelbach auch in laufendem Kontakt mit dem Land Niederösterreich und ist gerade dabei, ein Team aus Ärzten anzusprechen, das gemeinsam mit der StadtGemeinde Mistelbach die Umsetzung eines solchen Zentrums vorantreibt. „Unsere Hausärzte sollen und werden auch von Anfang an voll und ganz miteingebunden“, stellt Gesundheitsstadträtin Roswitha Janka klar.

Bis dahin sind jedoch noch einige Fragen zu klären. Denn neben der Wahl eines passenden Standortes gilt es auch zu klären, wie dieses Versorgungszentrum geführt werden soll, z.B. als Gesellschaft oder vielleicht auch als Verein. „In Summe sind vier unterschiedliche Rechtsformen möglich“, weiß Stubenvoll und ergänzt: „Angepeilt wird jedenfalls bereits das kommende Jahr zur Gründung eines Rechtsträgers, wobei die letztliche Entscheidung die Ärztekammer, die Österreichische Gesundheitskasse und das Land Niederösterreich treffen, die StadtGemeinde Mistelbach wird die Umsetzung vorantreiben und für die Vernetzung aller Player sorgen!“

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