08. Januar 2026
Nach zwei Jahren Rezession sorgte ein nahezu Null-Wachstum (ca. +0,3%) im Jahr 2025 für weiter steigende Arbeitslosigkeit. 2025 war gekennzeichnet von schleppender Konjunkturerholung, beschleunigter Inflation, gedämpfter Konsumbereitschaft und großer Unsicherheit im Welthandel. Vor diesem Hintergrund nahm die Arbeitslosigkeit in Niederösterreich das zweite Jahr in Folge deutlich zu und die Beschäftigungszuwächse blieben über-schaubar. Die Arbeitslosenquote ist im Vergleich zum Vorjahr etwas angestiegen, aber deutlich unter dem bundesweiten Ergebnis.
„Die schlechte konjunkturelle Entwicklung hat am niederösterreichischen Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen. Das sehen wir am Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit in Mistelbach mit einem Plus von 31,2% im Vergleich zu 2024. V.a. junge Menschen, die Generation 50-Plus, Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen oder Migrationshintergrund haben den Gegenwind am Arbeitsmarkt zu spüren bekommen. Gleichzeitig gehen die Baby-Boomer in den kommenden Jahren in Pension und die niederösterreichischen Unternehmen suchen daher weiter nach Fachkräften. Eine Entwicklung, die wir im AMS nutzen, indem wir auf hochwertige Qualifizierung setzen und konsequent Wiedereinstiegschancen für Arbeitsuchende gemeinsam mit den Unternehmen erarbeiten“, bemerkt Marianne Majewsky, Leiterin des AMS Mistelbach.
2025 im Zeichen der Verhinderung der Langzeitarbeitslosigkeit und der Fachkräftequalifizierung:
Mit intensiver Vermittlungsarbeit, Bündelung der Ressourcen in der Beratung, hochwertiger Qualifizierung sowie präziser Abstimmung mit der Wirtschaft bremst das AMS Niederösterreich den rasanten Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit und entwickelt mit Job- und Personal-suchenden Perspektiven für die Zukunft.
Überblick über die Aktivitäten und ihre Ergebnisse 2025:
Intensive Vermittlung vom ersten Tag an lautet das Motto, um Langzeitarbeitslosigkeit entgegenzusteuern. Trotz schwieriger Arbeitsmarktlage ließ das Team des AMS Mistelbach den Vermittlungsmotor brummen und hat damit entscheidend zur Eindämmung von Langzeitarbeitslosigkeit und für mehr Fachkräfte für die NÖ Wirtschaft beigetragen:
24.500 Vermittlungsvorschläge haben die Beraterinnen und Berater des AMS Mistelbach in diesem Jahr an Arbeitslose ausgegeben.
2.700 Arbeitsaufnahmen und über 2.180 Stellenbesetzungen
2.700 Jobsuchende haben wieder einen Arbeitsplatz gefunden. Gleichzeitig wurden 2.182 freien Stellen und 165 Lehrstellen mit einer passenden Arbeitskraft bzw. mit einem/einer Lehrstellensuchenden besetzt. 2025 hat das AMS Mistelbach 65 Jobbörsen veranstaltet.
AMS Niederösterreich bremst erfolgreich den Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit:
Während das Potenzial an Personen, die bereits mehr als 365 Tage in Arbeitslosigkeit verbracht haben, 2025 österreichweit um +13,3% gestiegen ist, fällt dieser Anstieg in Niederösterreich mit 10,4% geringer aus.
Mehr Langzeitarbeitslose wieder im Erwerbsleben:
2025 haben rund 104 Langzeitarbeitslose ihre AMS-Betreuung mit einer Arbeitsaufnahme beendet, um 28,2% mehr als im Vorjahr.
2025 hat das AMS in Niederösterreich für rund 11.000 Jobsuchende Fachkräfteausbildung gefördert:
Das sind um 6,4% mehr als im Vorjahr. Mehr als Hälfte (53,7%) von ihnen sind Frauen. 55% sind unter 25 Jahre alt und etwa jede/r Zehnter unter den Erwachsenen war 50 Jahre oder älter.
Zugang zur Fachkräfteausbildung erleichtern:
Das AMS Niederösterreich hat eigene Programme entwickelt, um den Einstieg in hochwertige Fachkräfteausbildungen mit Lehrabschluss oder anspruchsvolle Pflegeausbildungen zu erleichtern. Abbrüche werden auf diese Weise vermieden und erfolgreiche Abschlüsse sichergestellt.
Personen mit Migrations- oder Fluchthintergrund in den Arbeitsmarkt integrieren:
Nach St. Pölten wurde 2025 auch in Wiener Neustadt ein zweiter Standort für eine Beratungsstelle für arbeitssuchende Personen mit Migrations- und Fluchthintergrund eingerichtet. Wiener Neustadt war 2025 auch der Austragungsort für die Chancen-Messe des AMS Niederösterreich. 309 Personen haben das Info-, Job- und Beratungsangebot vor Ort genutzt, 25 haben im Anschluss daran eine Arbeit aufgenommen und 19 sind in eine Schulung eingestiegen.
Intensiver Austausch mit der Wirtschaft:
Unter dem Motto „Zusammener“ hat das AMS die Kooperation mit der niederösterreichischen Wirtschaft intensiviert, um nachhaltige Vermittlungsarbeit zu gestalten. 10.700 Betriebsbesuche wurden durchgeführt, bei den AMS-Foren in Brunn am Gebirge und St. Pölten waren 226 Unternehmensvertreterinnen und -vertreter zu Gast und im Herbst startete eine Serie von Round Table-Gespräche mit dem Ziel, dem Fachkräftemangel wirkungsvoll zu begegnen.
Prognose 2026:
Nach einem defacto Null-Wachstum im Jahr 2025 rechnen Wirtschaftsforscherinnen und -forscher für das Jahr 2026 mit einem zarten Wirtschaftswachstum von ca. 1%. Die Entlastung für den Arbeitsmarkt wird nur gering ausfallen. In Niederösterreich könnte sich nach langer Zeit im Jahresdurchschnitt wieder ein Minus beim Anstieg der Arbeitslosigkeit ausgehen. Die Arbeitslosenquote wird unter dem Bundesschnitt bleiben.
Ressourcen im Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel weiter bündeln:
Für 2026 ist keine wesentliche Entspannung am Arbeitsmarkt zu erwarten. Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen, geringer oder veralteter Qualifikation, Sprachbarrieren oder Mobilitätsproblemen stehen weiterhin vor großen Einstiegs-hürden. Der einsetzende Zug der Babyboomer in die Pension, unter ihnen viele erfahre-ne Fachkräfte mit Lehrabschluss, sorgt bei Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern für anhaltende Arbeits-kräftenachfrage.
Zusammenarbeit mit der Wirtschaft vertiefen:
Die Beraterinnen und Berater des AMS Niederösterreich werden wieder über 10.000 Betriebsbesuche, über 6.000 Vorauswahlen und über 1.000 Jobbörsen eintakten. Beim Jobvermittlungsformat Jobbörse werden die Branchen Gesundheit und Pflege sowie Gastronomie und Fremdenverkehr einen Schwerpunkt bilden. Das AMS wird im kommenden Jahr mit eigenen Info-Veranstaltungen und Round-Table-Gesprächen in einen vertieften Austausch mit Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern gehen.
Kampf gegen Langzeitarbeitslosigkeit:
Kompetenzen bündeln und neue Modelle testen
Das AMS wird neue, überwiegend vom Europäischen Sozialfonds finanzierte, Modellprojekte im Bereich der Beschäftigungsförderung und der besonderen Beratung für Langzeitarbeitslose im Industrieviertel und im Waldviertel erproben. Im Zentrum steht dabei die Zusammenarbeit mit den Betrieben und zwischen den Betrieben bei der Arbeitsmarktintegration von Langzeitarbeitslosen zu stärken und so mehr Einstiegschancen für die Betroffenen zu erarbeiten. Um Ressourcen zu sparen und flexible Angebote für die Betroffenen zu gestalten, werden die Kompetenzen von Sozialintegrativen Unternehmen im Zentralraum und im Mostviertel gebündelt.
Generation 55-Plus in Beschäftigung bringen und halten:
96 Tage dauert im Schnitt der berufliche Wiedereinstieg im Jahr 2025 in Niederösterreich. Für Jobsuchende der Generation 50-Plus verlängert sich die erfolgreiche Jobsuche in der Regel um durchschnittlich rund 20 Tage. Im Rahmen der Aktion 55-Plus stellt das AMS Niederösterreich im Jahr 2026 knapp neun Millionen Euro bereit, um die Arbeitsmarktintegration der Generation 50-Plus mit Lohnkostenförderung in privatwirtschaftlichen und sozialintegrativen Unternehmen zu unterstützen.
Passende Qualifizierung für die Zukunft:
55 Millionen Euro werden für Fachkräftequalifizierung reserviert. Im Zentrum steht hochwertige Ausbildung in nachgefragten Berufsbereichen wie Technik und Green Jobs, Pflege sowie besondere Angebote für Frauen und Jugendliche, um ihnen den Lehrabschluss zu ermöglichen. Ergänzt wird das Angebot durch Sprachförderung für Migrantinnen und Migranten sowie gezielte Qualifizierungsförderung für Jobsuchende mit gesundheitlichen Problemen.
Förderung von Frauen wird großgeschrieben:
Gerade bei Frauen ist die Arbeitslosigkeit mit 5,2% überdurchschnittlich stark gestiegen (Gesamtarbeitslosigkeit +4,3%). Mehr als 50% des Förderbudgets im kommenden Jahr ist für Frauen vorgesehen. Ein nö-weit flächendeckendes Angebot wie die Frauenberufszentren und das Programm Frauen in Handwerk und Technik steht zur Verfügung.